"Concordantiae Caritatis" des Ulrich von Lilienfeld.
Träume können Wirklichkeit werden! Einer davon ist schon 655 Jahre alt und wurde von Abt Ulrich im Kloster Lilienfeld in Niederösterreich geträumt, dass sein mit so viel Mühe, Liebe und Können in Bild und Wort zu allen Feier-, Sonn- und Ferialtagen und Heiligenfesten des Kirchenjahres und zu allen "Allgemeinen Predigten" geschaffenes Predigtwerk von vielen gelesen und benützt werden könnte - ein unmöglich scheinender Wunsch, weil die Menge der mehr als 260 Bildseiten schon alles an Investitionen für Pergament, Schreiber und Illuminator überstieg, was denkbar war.
So ruhte die Originalhandschrift ihren Winterschlaf. Immer wieder zwar kamen Anfragen aus allen möglichen Instituten der gesamten Welt, weil man durch Spezialartikel von ihrer Wichtigkeit für das Verständnis der Denkweise des ausgehenden Mittelalters wusste - aber der Mühe der kritischen Edition konnte und wollte sich kein normaler Wissenschaftler unterziehen, und auch ganze Institute konnte man kaum darauf ansetzen.
Es musste ein so Verrückter wie ich kommen, der die Ärmel aufkrempelte und einige Jahre seines Lebens daran setzte, den Text genau zu bearbeiten - und dann hätte fast alles wieder bis zum Ende der Welt im Staub der Bibliothek geruht, als ich 1979 in die Missionsarbeit nach Brasilien ging - wäre da nicht ein weiteres Wunder geschehen, dass sich nämlich drei Professoren von zwei Universitätsinstituten in Münster und ihre wissenschaftlichen Mitarbeiter für acht Jahre dafür einsetzten, dass mein mit der Schreibmaschine getipptes Manuskript in den Computer übertragen und von einem Verlag jetzt zur Veröffentlichung vorbereitet wurde.
Weitere Informationen zur Edition: Concordantiae_Caritatis.pdf (PDF 135 KB)