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Ein Strauß bunter Neuigkeiten zum Jahresende
Cruzeiro do Sul, Dezember 2009
 Trauung von drei Paaren |
Die Zeit fliegt ja förmlich - ich meine, gerade den Bericht vom 22. September geschrieben zu haben, da sehe ich, dass wir schon fast am Ende des Jahres angelangt sind - wie in jedem Leben, so gibt es auch von hier viel zu erzählen:
Die Seelsorgearbeit ging weiter - nicht mehr wie vor einigen Jahren, als ich immer auf die nächsten Ferien wartete, um wieder eine der Desobrigen zu den Siedlungen entlang der Flüsse Liberdade, Ipixuna und Campinas zu machen. Das sollen wegen meines Alters nach dem berechtigten Willen des Bischofs jetzt die jüngeren brasilianischen Mitbrüder übernehmen. Mir bleibt in Sª Luzia und entlang der Transamazônica noch genügend zu tun.
So besuchte ich im Oktober noch einmal den Ramal 7, wo ich die vielen Freunde vom Oberlauf des Campinas wieder traf, die dorthin gekommen waren - eine fast unendlich große Zahl von Kindern folgte aufmerksam dem Gottesdienst - leider musste ich mich hinterher für wieder fast ein Jahr verabschieden - so etwas zerreißt das Herz!
 Gottesdienst in der Schule |
Ein wenig besser geht es mir, wenn ich die Kapelle der Verkündigung Mariens am Oberlauf des Lagoinha besuche. Dorthin komme ich jetzt in der Regenzeit relativ leicht über den Fluß. Ein Katechet läuft während des Jahres vom Ramal 3 jedes Wochenende eine gute Stunde lang durch den Urwald dorthin und hält nach Kräften die Gemeinde zusammen und unterrichtet Kinder, Jugendliche und Erwachsene. Wenn ich komme, ist immer viel zu tun, sind Kinder zu taufen, empfangen Jugendliche die Sakramente der Erstbeichte und Erstkommunion, schließen die Paare ihre Ehen. Ob einmal der Fußweg durch den Urwald dorthin auch für mein Auto befahrbar wird, müssen wir abwarten - denn genau so benötigten die dortigen Menschen den Transport ihrer Produkte zum Markt hier in Cruzeiro do Sul!
Transamazônica - eine immerwährende Baustelle
 Ausbau der Transamazônica |
Die Transamazônica sollte in unserem Bereich nach den Plänen der Regierung bis Ende Januar 2010 asphaliert sein. Doch was nützen die schönsten Pläne auf dem Papier und in den Köpfen und Mündern der Politiker, wenn sie an die von der Natur gezogenen Grenzen stoßen! Es ist einfach zu viel zu tun, zu viele Wasserdurchläufe müssen gebaut, zu viel zerbrochener Asphalt gemahlen und erneuert werden, sind nach europäischen Maßstäben viel zu wenig Baumaschinen in Einsatz und die Arbeiter auch nicht immer gut ausgebildet. Dann kommt wieder Regen dazwischen, der manchmal die Arbeiten für eine halbe Woche lahm legt - mit einem Wort: Wenn wir den offiziellen Plan um ein Jahr ausdehnen, könnte das Planziel erreicht werden.
 Regenwolken über der Transamazônica |
Bei der letzten Fahrt zu den Indios und den Gemeinden am Campinas erlebte ich einen unglaublich starken Regen - der Himmel war schwarz wie der gerade ausgestrichene Asphalt. Die Baumaschinen hatten gerade die Lehmoberfläche der Straße aufgeraut und wieder geglättet, um mit einer dünnen Asphaltschicht das bisher Vorbereitete zu schützen. - Da brach der Wolkenbruch herunter, so dass ich im Auto kaum mehr etwas sehen und nur sehr langsam fahren konnte. Wie sollen dann langfristige Planungen eingehalten werden - waren solche Pläne nicht auch das Verderb für die kommunistische Planwirtschaft? Allerdings fragte ich mich insgeheim auch, warum der Liebe Gott mir auf diese Weise immer wieder so viele Schwierigkeiten bereitet - selbst wenn ich durchkäme, so könnten doch die Leute nicht aus ihren Hütten zu den Kapellen oder Schulen kommen!!
Brückenbau in Cruzeiro do Sul
 Pfeilerkonstruktionen der neuen Brücke |
Die Vorbereitung für den Bau der 555 m langen Brücke über den Juruá hier bei, besser: in Cruzeiro do Sul geht planmäßig weiter. Die ersten Pfeiler erheben sich bereits bis an die 15 oder 20 m hoch, die Verankerung im Boden beträgt knapp 30 m. Die allermeisten Bewohner jenes Hafenviertels sind bereits umgesiedelt, werden aber erfahrungsgemäß bald wieder in die Nähe des Flusses zurückkehren, wo sie wenigstens einen Fisch fangen können.Weiter im Landesinnern ist dies kaum möglich, und auch die vielleicht nahe liegenden Grundstücke für den landwirtschaftlichen Gebrauch sind längst von Großgrundbesitzern in Beschlag genommen worden. Wir müssen befürchten, dass sich hier ein gewaltiges soziales Problem aufstaut!
Internationales Seelsorgeteam
 Unsere neuen Mitbrüder |
In unserem Distrikt wurde die Zukunft weiterhin schwärzer. Da weder Europa noch die Mitbrüder in Südbrasilien Hilfe schicken können, kommt diese aus Afrika, genauer aus dem Kongo, aus Ghana, Kamerun und Gabun, zur "Aufhellung" gesellte sich mit Pe. Fernando ein Mitbruder aus Spanien und mit dem aus Psychologen ausgebildeten Bruder Luíz einer aus Südbrasilien hinzu. Pe. Orlando stellt sich voller Stolz mit den Neuerwerbungen! Vorerst haben wir noch eine babylonische Sprachverwirrung, doch wird sich dies bald geben, wenn alle Neuankömmlinge den Inkulturationskurs des CENFI in Brasilia besucht und sich hier eingelebt haben.
 vertragsunterzeichnung |
Auch wurden jetzt endlich die alten Verträge zwischen Diözese und dem Distrikt bzgl. der beiden, von uns noch gehaltenen Pfarreien Aparecida hier in Cruzeiro do Sul und São José in Tarauacá grundlegend erneuert. - Das Datum der feierlichen Unterzeichnung vor zwei Tagen war das Fest der Unbefleckten Empfängnis: Bischof Mosé und Pe. Orlando setzten für Diözese und Distrikt die Unterschrift unter die sorgfältig ausgearbeiteten Dokumente. Nun liegt es an allen Mitarbeitern, diese mit Leben zu erfüllen - auch die afrikanischen Mitbrüder wissen jetzt genau, welches die Regeln der Zusammenarbeit sind.
Neue missionarische Aufgabe in Manaus
 Die in unserem Distrikt arbeitenden Mitbrüder. |
Damit wir nicht im eigenen Saft schmoren, sondern entsprechend unserer Regel weiterhin weltweit geöffnet bleiben, haben sich die beiden Distrikte vom Alto Juruá und von Tefé jetzt entschlossen, gemeinsam eine missionarische Aufgabe in Manaus zu übernehmen, wo unsere Mitbrüder - P. Heinrich Kleins seliges Angedenken wird immer noch durch die Figur des Heiligen, der P. Kleins Züge trägt, dort wach gehalten - schon vor knapp einhundert Jahren die Pfarrei St. Raimundo und andere in ihrer Sorge hatten. Im Stadtviertel mit dem sinnvollen Namen "Alvorada" (Morgenröte) werden drei Mitbrüder - Pe. Sebastião, der bisher hier arbeitete, Pe. Carmelo und ein weiterer vom Distrikt von Tefé - die Pfarrei "Christkönig" übernehmen - auch hier scheint "nomen est omen" - d.h. der Namen richtungsweisend. Vom General wurde dieses Projekt bereits offiziell gebilligt.
Mieteinnahmen für Finanzierung des Bistum
Für mich gehen viele Aktivitäten weiter: Das Projekt des Baus der 40 Häuser, durch deren Mieteinnahmen die wirtschaftliche Grundlage der Diözese etwas mehr gesichert werden soll, ist nach knapp anderthalb Jahren praktisch abgeschlossen: Wir haben jetzt Wasseranschluß aus einem eigenen Brunnen und Wassernetz. In diesen Tagen wurde auch das von uns aufgebaute Stromnetz an das der Elektrizitätsfirma angeschlossen. Es fehlen noch die Begrenzungsmauern zwischen den einzelnen Grundstücken, deren Unkosten wir durch den Verkauf weiterer Grundstücke hoffen bezahlen zu können. Von der Präfektur haben wir die Zusage, dass die Straßen dieses neuen Stadtviertels "Sankt Franziskus" im nächsten Jahr auch asphaltiert werden.
Gute Nachrichten vom Projekt "Jesuskind von Nazareth"
Die Zahl der von uns in der Stiftung "Jesuskind von Nazareth" in vier Landkreisen betreuten Kinder und ihrer Familien beträgt im Moment ca. 200. Das vergangene Jahr war sehr erfolgreich. Konnten wir doch 50 Kinder aus der unmittelbaren Betreuung entlassen, weil das Ziel der Eigenständigkeit erreicht war, und konnten etwa 70 neu aufgenommen werden, mit denen die Arbeit wieder beginnt. Die Ausbildung der Mitarbeiterinnen durch Kurse (z.T. mit eigenen Kräften der Stiftung, hauptsächlich auch durch die Begleitung eines ausgebildeten Physiotherapeuten und die unschätzbaren Besuche von Dr. Biskup aus Neuß) geht organisch und planmäßig weiter. Ich kann nicht genügend dankbar sein, dass auch im Vorstand mit den früheren Seminaristen Silvani, Valderi und Valdenísio so verantwortungsbewusste, mitdenkende und für die Kontakte mit den Behörden so fähige Männer tätig sind.
Ein langer Geburtsvorgang ist nun glücklich vollendet
 Idealbild von Ulrich von Lilienfeld |
Die täglichen Radiosendungen gehen weiter, und ich bemühe mich, einen entsprechend großen Vorrat zu haben, damit ich Anfang Januar nach Deutschland reisen und am 12. Januar in Münster an der offiziellen Vorstellung der kritischen Ausgabe der "Concordantiae caritatis" des Ulrich von Lilienfeld teilnehmen kann. Gestern kam von Dr. Suntrup, der an der Universität die Hauptlast an der Vorbereitung der Edition getragen hatte, die erlösende Nachricht. Er schrieb: "Darauf habe ich mich schon lange gefreut, diese gute Nachricht mitteilen zu können: Eben habe ich im Verlag "unser Kind" entgegengenommen: Es ist eckig geraten, "nur" 32 cm groß, dafür aber fast 25 cm breit, insgesamt ungefähr 10,8 cm dick, und es wiegt fast fünf Kilo! Es sieht bestens aus!"
Für die Mitherausgeber habe ich zwei besondere Geschenke vorbereitet. Eines ist ein lateinisches Chronogramm, welches die Interessierten in der neuen Abteilung meiner Homepage unter den Chronogrammen finden kann, das zweite ein Buchkasten, den mir mein Freund Maqueson nach dem Selbstportrait des Mönches Eadwine beim Schreiben (Miniatur im Psalter Eadwines, um 1150, Cambridge, University Library, H. R 17.1) in Intarsie gestalten wird.
Allen nun ein frohes und gesegnetes Weihnachtsfest und ein glückseliges Neues Jahr 2010!
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