P. Herbert Douteil CSSp
Concordantiae Caritatis des Ulrich von Lilienfeld
Diözese Cruzeiro do Sul / Brasilien

Missionsarbeit am Oberlauf des Amazonas

Veröffentlichung der "Concordantiae Caritatis" des Ulrich von Lilienfeld
Speyer, 13.01.2010

Gott irrt auch im Zeitplan nicht...

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Ein Schatz wird gehoben: Die Edition der "Concordantiae Caritatis" des Ulrich von Lilienfeld.

Infos: Concordantiae_Caritatis.pdf
(PDF 135 KB)

"Gestern habe ich nachgeschaut: Es ist heute genau 16 Jahre her, dass wir uns zum erstenmal trafen", sagte Dr. Suntrup, als er im überfüllten Sitzungszimmer des Germanistischen Instituts im Stein-Haus, Hindenburgplatz 34, 48143 Münster, Raum 155, die Feier der Vorstellung der glücklich beendeten kritischen Edition der "Concordantiae caritatis" begann.

Dr. Suntrup erinnerte damit zunächst an das erste Treffen in Grefrath, als er sich bei mir erkundigte, wie es denn mit dem Material der seit langem ruhenden Edition stünde, die ich am 6.8.1979, dem Tag meiner Abreise nach Brasilien, an den ADEVA-Verlag nach Graz geschickt hatte, der damals noch beabsichtigte, diese meine Arbeit als Kommentar zur Faksimile-Edition des Codex Campililiensis 151 (um 1355) des Ulrich von Lilienfeld zu veröffentlichen. Da sich aber nicht genügend Subskribenten gefunden hatten, ruhte meine Arbeit wie das gesamte Projekt.

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Vorstellung der Edition

Bereitwillig gab ich damals beim Treffen mit Dr. Suntrup meine Erlaubnis, alles Material zu benutzen. Dann kam wenige Jahre später mein Entschluß, im Jahre 2000 mit Erreichen meines 65. Lebensjahres nicht wieder in die Wissenschaftliche Arbeit zurückzukehren, sondern in Brasilien weiter zu arbeiten, und meine Übergabe allen Materials mit allen Rechten an das Germanistische Institut in Münster, wo das Typoskript unter der verantwortlichen Leitung von Dr. Suntrup und der Schirmherrschaft von Prof. Honemann vom Mittelhochdeutschen und von Prof. Angenendt vom Kirchenhistorischen Institut durch wissenschaftliche Hilfskräfte im Laufe der nächsten Jahre in den Computer übertragen wurde.

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Besucher und Teilnehmer

Dr. Passmann, der Leiter des Verlags Aschendorff, war gleich vom ersten Augenblick an, als er vor gut einem Jahr vom Projekt Kenntnis nahm, von dessen Wichtigkeit überzeugt und setzte sich auch persönlich ein. – Dr. Suntrup erwies sich als unübertroffener Beherrscher der Kunst des Formatierens und lieferte nach einigen Monaten intensivster Arbeit eine Druckvorlage ab, die in wenigen Tagen gedruckt und gebunden werden konnte. Ein staatlicher Druckkostenzuschuß ermöglichte die Mitveröffentlichung aller Bildseiten des Codex. – Es wurden auch wesentlich mehr Exemplare subskribiert, als normalerweise zu erwarten gewesen wäre.

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Dr. Suntrup
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Prof. Dr. Honemann beim Dank an Dr. Suntrup
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Prof. DDr. Angenendt
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Verlagsdirektor Dr. Passmann vom Verlag Aschendorff

Am 9. Dezember 2009 schrieb Dr. Suntrup mir und den Mitherausgebern in einer e-Mail: "Es freut mich, endlich diese gute Nachricht mitteilen zu können - darauf habe ich mich schon lange gefreut. Eben habe ich im Verlag von Herrn Dr. 'unser Kind' entgegengenommen: Es ist eckig geraten, 'nur' 32 cm groß, dafür aber fast 25 cm breit, insgesamt ungefähr 10,8 cm dick, und es wiegt fast fünf Kilo! Es sieht bestens aus!"

Gestern, am 12. Januar 2010 – also genau 16 Jahre nach dem ersten persönlichen Kontakt - waren wir endlich zum glücklichen Ende gekommen, denn erst das Ende krönt das Werk: "Exitus acta probat" sagt Ovid in den Heroid. 2,85. Denn: "Gewöhnlich geht´s am Ende scharf", wusste schon Goethe. Wie die Werke, die großen und die kleinen auch verlaufen, das Ende erst macht alles gut. Das Mittelalter nannte den guten Abschluß einer Sache ihr TU AUTEM. Man findet diese Redewendung bei Rabelais, Cervantes und anderen Schriftstellern der Renaissance. Die Vorlage zu diesem Wort entstammt, bezeichnend für seine Herkunft, den Bezirken der Kirche. Das kirchliche Stundengebet – die Horen – das man aus dem Brevier las, schloß mit den Worten: TU AUTEM, DOMINE, MISERERE NOBIS – Du aber, Herr, erbarme dich unser. Wer beim 'tu autem' angekommen war, hatte sein Tagespensum erledigt. Er war an den wesentlichen Schlußpunkt gekommen. Darum nannte man den Kern einer Sache vortragen, ihr 'tu autem' (Reichert: Human und urban – S. 308)

Gestern also war das 'tu autem' unserer Edition: Dr. Suntrup sprach über die Wichtigkeit der Handschrift für die Kenntnis der mittelalterlichen Typologie, wobei dieses Werk Ulrichs den letzten Höhepunkt bildet. Dr. Suntrup sprach von den bisher noch nicht einmal von der Wissenschaft bearbeiteten Teilen, von der Zugehörigkeit von Text und Bild ... von der unendlichen Datenfülle, die aus meinem auf z.T. alten Kalenderblättern mit Schreibmaschine hergestellten und handschriftlich vervollständigten Typoskript in den Computer zu übertragen gewesen war, wobei der Scanner nur unvollkommen helfen konnte und die Mitarbeiter jahrelang allerhöchste Aufmerksamkeit aufwenden und alles mindestens zweimal Korrektur lesen mussten.

Prof. Dr. Honemann, der inzwischen emeritierte Leiter des Mittelhochdeutschen Institutes, erklärte, wie es dazu gekommen war, dass mein Name zwar als Herausgeber auf dem Deckblatt stünde, aber diese Edition trotzdem von zwei Professoren und von Dr. Suntrup verantwortet würde, und wie es käme, dass die beiden Professoren bei der Namensnennung Dr. Suntrup gerne den Vortritt gelassen hätten: "Ohne die Zähigkeit und Beständigkeit und den ganz persönlichen Einsatz von Dr. Suntrup, der diese Edition von Anfang an so intensiv begleitet hatte, wäre das Werk nicht zustande gekommen – dieses Werk, das uns allen Ehre macht!"

Prof. DDr. Angenendt, der emeritierte Leiter des Kirchengeschichtlichen Institutes der Universität, schloß sich diesem Lob an, erwähnte auch Prof. Dr. Kessler, einen längst verstorbenen Kirchenrechtler, dessen fast vollendetes Lebenswerk nach dessen Tod einfach im Sperrmüll gelandet wäre. – "So etwas tut jedem Kollegen im Herzen weh, und ich sagte mir damals, als ich von dieser Edition Dr. Douteils erfuhr, dass dies mit dessen Lebenswerk nicht noch einmal geschehen dürfte, und so habe ich mich dafür eingesetzt, alle Möglichkeiten auszuschöpfen, dass diese Edition in den Katalog der besonders förderungswürdigen Projekte der Universität Münster aufgenommen wurde – und ich habe mich nicht getäuscht: Ich darf und muß es aber auch einmal sagen, dass wir hier an der Uni Münster ein unglaublich gutes Arbeitsklima und auch unendlich gute Studenten haben, die sich ganz einsetzen und auf die man sich ganz verlassen kann!"

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Die beiden Bände der kritischen Edition

Der Verlagsleiter Dr. Passmann sprach als nächster und bedankte sich für die vorbildlich gute und reibungslose Zusammenarbeit bei der Vorbereitung der Herausgabe dieses so wichtigen Werkes, das ihn von Anfang an so sehr interessiert hätte, da er selbst seine Doktorarbeit über ein verwandtes Thema geschrieben hätte. Auch hätte er seinen Ehrgeiz darein gesetzt, drucktechnisch dem Werk den letzten Schliff und ihm auch die ästhetisch würdige Gestaltung zu geben, wobei Dr. Suntrup sich als unübertrefflich genauer Mitarbeiter erwiesen hätte, so dass das Werk in einer unvorstellbar kurzen Zeit hätte gedruckt werden können.

Den Abschluß der Feierstunde sollten meine Dankesworte bilden: Ich erinnerte an den 1987 verstorbenen Freund P. Felix Vongrey aus der Abtei Lilienfeld, durch den ich die Handschrift erst hätte kennen lernen können, an die Professoren und ihre wissenschaftlichen Mitarbeiter, ohne deren Einsatz mein Manuskript niemals in dieser vorliegenden Form hätte aufgearbeitet werden können, an den Verlagsdirektor und sein persönliches Interesse, das man in jeder Kleinigkeit spürte.

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Herausgeber und Verlagsdirektor mit einem Exemplar der kritischen Edition und ich mit einem der Buchkästen

Kein Dankeswort, jedoch, konnte meine Dankbarkeit gebührend ausdrücken, die mich gegenüber den Mitherausgebern und vor allem dem Herrgott gegenüber bewegte... Zum Schluß konnte ich alle überraschen durch zwei ganz persönliche Geschenke: Das erste war das von mir "komponierte" lateinische Chronogramm – erst am Vortag hatte ich erfahren, dass ich in Deutschland zu einem der letzten 15 noch lebenden Menschen gehöre, die sich an dieser Kunst versuchen –, welches von den Professoren über ihre Hilfskräfte, den Verlagsdirektor und Drucker und Buchbinder alle gleichermaßen einschließt, die sich um diese Edition verdient gemacht haben: "VIVas qVIa feLICIter fInIta eDItIo CrItICa LIbrI 'ConCorDantIae CarItatIs' VLrICI abbatIs sapIentIs pIIqVe Coronat et pensI opVs tVI" – das heißt in der Übersetzung: "Heil Dir, denn die 2009 glücklich beendete kritische Edition des Buches der 'Concordantiae caritatis' des weisen und klugen Abtes Ulrich krönt das Werk auch der Dir zugeteilten Aufgabe!"

Und als größte Überraschung für jeden der Professoren und den Verlagsleiter je einen in Intarsientechnik von meinem Freund Maqueson Pereira da Silva in Cruzeiro do Sul gestalteten Buchkasten, auf dessen Außenseite das Idealbild Ulrichs, auf dessen Innenseite das Wappen des Stiftes Lilienfeld zu sehen ist. "Mit dieser Überraschung haben Sie uns allen eine riesige Freude gemacht!" war die einhellige Reaktion aller.

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Die Herausgeber mit je ihrem Geschenk des Buchkastens

"Wie viel Stunden Arbeit stecken wohl in diesem Werk?" wurde ich heute von einer guten Bekannten gefragt. - "Wenn ich nur zehn Jahre meiner Arbeit mit fünf Tagen pro Woche und je zehn Stunden pro Tag berechne, komme ich auf runde 40.000 Stunden – dazu kommen noch während weiteren zehn Jahren die Stunden des Übertragens in den Computer durch die Hilfskräfte, ferner der Korrekturen, Ergänzungen und des Formatierens durch Dr. Suntrup – schließlich der technischen Arbeiten des Verlagspersonals. – Ich glaube nicht, dass wir mit weniger als insgesamt 120.000 Arbeitsstunden rechnen dürfen", war meine Antwort. – "Wer wird so etwas bezahlen können?" fragte meine Bekannte. – "Niemand – nur der Herrgott, zu dessen Ehre, und die Menschheit, zu deren Freude und Fortschritt wir dies alles auf uns genommen haben", antwortete ich – aber dürfen wir diese Rechnung überhaupt ernsthaft aufmachen? Sollen wir nicht einfach mit den Menschen des Mittelalters und allen echten Idealisten sagen: "Tu autem, Domine, miserere nobis!" – "Du aber, o Herr, erbarme dich unser, und rechne alles Dir zur größeren Ehre an und mache es fruchtbar für die Menschheit!?"

Rezensionen

Rezensiert für H-Soz-u-Kult von:
Linda Maria Koldau, Institut for Aestetiske Fag, Aarhus Universitet
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