P. Herbert Douteil CSSp
Jesus-Schriftzug am Flussufer
Diözese Cruzeiro do Sul / Brasilien

Missionsarbeit am Oberlauf des Amazonas

Jubiläum: Als Missionar 30 Jahre in Brasilien
Cruzeiro do Sul, den 07. August 2009

Meine lieben Freunde in der Heimat, Euch allen einen herzlichen Gruß in der Hoffnung, dass es Euch allen gut geht und jeder von Euch Grund hat, dem Herrgott für das bisherige Leben zu danken und für die Aussicht auf das Leben, das ja niemals enden wird und wo wir so viele wiederzusehen hoffen, die uns begleitet und so viel geschenkt haben – ob es die Eltern, die Geschwister, die Freunde, die Lehrer und Wohltäter und so viele andere sind, die ein jeder aufzählen kann – und wie viele von Euch muß und darf ich hier einreihen: Vielen Dank für alles und jedes!!!

Ich schreibe an diesem Tag mit dem so seltenen Datum der drei aufeinander folgenden Zahlen "7.8.9.", da ich auf genau 30 Jahre Brasilien zurückschauen darf – Grund genug, vor dem Herrgott und auch vor Euch Rechenschaft abzulegen und zu danken für das Gute, und auch um Vergebung zu bitten für das, was weniger gut war!

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Ein Schatz wird gehoben: Die Edition der "Concordantiae Caritatis" des Ulrich von Lilienfeld.

Infos: Concordantiae_Caritatis.pdf
(PDF 135 KB)

Am 6. August 1979 – die Kirche feierte wie immer die Verklärung Christi, und die Welt erinnerte sich an den Abwurf der ersten Atombombe über Hieroshima – brachte ich das fertige Typuskript der "Concordantiae caritatis" des Ulrich von Lilienfeld zur Post und sandte das fast 07 kg schwere Paket an den Grazer Verlag ADEVA, wo die Edition der Handschrift aus Lilienfeld ja ursprünglich geplant war und die im November dieses Jahres endlich beim Verlag Aschendorff erscheinen wird; anschließend ging es nach Bad Godesberg zur Brasilianischen Botschaft, um das Visum abzuholen, das mir gewährt war – dort brauchte es eine große Hartnäckigkeit, weil an jenem Tag dort eigentlich kein Publikumsverkehr war, aber endlich erhielt ich meine Papiere – am Abend flog ich um 19:30 von Köln nach Frankfurt und von dort weiter nach Rio de Janeiro und Brasília – hier begann der Kurs im CENFI zur Inkulturation und zum Erlernen der Sprache, den ich vorzeitig beendete, weil ich nicht zur Bischofsweihe von Bischof Herbst am 11.11.1979 hier in Cruzeiro do Sul fehlen wollte.

Dann ging die Arbeit des kleinen Missionars Schritt für Schritt weiter – ich habe versucht, Euch immer so gut wie möglich durch meine Briefe zu informieren und diese auch im Abstand von je vier Jahren in Taschenbüchern veröffentlicht – hier nur die Jahreszahlen mit den Titeln:

  • 1983: Unter dem Kreuz des Südens
  • 1987: Mosaik der Hoffnung
  • 1991: Nur ein Tropfen
  • 1991: Wenn Gott kein Brasilianer wäre ... und andere brasilianische Sprichwörter
  • 1995: Die Hoffnung stirbt zuletzt
  • 2000: Wie der Mond an seine Flecken kam – Mythen, Geschichte und Kultur der Katukina-Indios aus dem Amazonasbecken Brasiliens 2000: Der Biblische Rosenkranz

[ Veröffentlichungen... ]

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Desobriga: Seelsorglicher Besuchreise zu den Gemeinden

Von 1980 – 1993 war ich Leiter des Kleinen und Großen Seminars der Spiritaner in Cruzeiro do Sul, zugleich und bis heute bin ich verantwortlich für die Pastoral- und Sozialarbeit unter den Indios Katukina, den Gummischneidern und heutigen Landwirten der Flüsse Campinas (bis 2000), Ipixuna (bis 2007) und Riozinho da Liberdade (bis 2008) und den Siedlern des Siedlungsprojektes Santa Luzia / BR 364. Für diese wurden insgesamt 96 über einen längeren Zeitraum dauernde Seelsorgereisen und an jedem Wochenende seelsorgerliche Besuchsreisen in Sª Luzia und entlang der Transamazônica durchgeführt und siebenundzwanzig Kirchen und Kapellen gebaut.
Ich durfte mich betätigen beim Auf- und Ausbau des Systems der Gesundheitspflege durch die Armenapotheke in Cruzeiro do Sul, Casa Médeor in Rodrigues Alves, 1991 die Einrichtung der Augen- und Zahnklinik 'Santa Maria' in Cruzeiro do Sul, wurde 2001 der Mitbegründer der "Policlínica Cruzeiro do Sul" und hatte Anteil am Aufbau der Vorschule 'São Jorge' in Rodrigues Alves und bin Mitarbeiter in der Kinderpastoral in den Pfarreien Cruzeiro do Sul, Mâncio Lima, Guajará und Rodrigues Alves und im Siedlungsgebiet Santa Luzia.
Ein besonderer Markstein war am 1.1.2003 die Gründung des Projekt "Jesusknabe von Nazareth" für (augenblicklich 185) behinderte Kinder und ihre Familien in vier Landkreisen, das inzwischen zur vom Staat anerkannten Stiftung wurde, und bin schließlich auch noch seit dem 2.9.2008 Präsident des Direktoriums der "Fazenda da Esperança Dom Luis Herbst" in Mâncio Lima.

Von 1980 bis 1993 war ich Leiter der Ausbildung der Katecheten am von den Dominikanerinnen geleiteten "Instituto Santa Teresinha" in Cruzeiro do Sul, von 1994 bis 2002 Professor für Philosophie und Soziologie und von 2000 bis 2002 für Exegese an der Philosophisch-theologischen Fakultät des Großen Seminars der Diözese von Cruzeiro do Sul. Seit 1990 leite ich die Ausbildung von Laienkatecheten im Siedlungsprojekt "Santa Luzia". Es gelang der Aufbau des Missionsmuseums 'Padre Alberto Urban' in Cruzeiro do Sul (Januar 2006 wurde der Teil, welcher die archäologischen, die Indio- und Gummischneiderobjekte enthielt, dem Bundesland Acre als Geschenk übergeben) - Von 1995 bis 2000 war ich Superior des Distriktshauses in Cruzeiro do Sul.

radio4gr
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Seelsorge per Radio

Seit dem 1. Mai 2000 habe ich eine tägliche 30-minütige Radiosendung des "Ave-Maria" in den Sendern "Verdes Florestas" und "Integração", vom 1. Januar 2003 zwei weitere tägliche Sendungen im Sender "Verdes Florestas": "Bom dia, meu Pai, bom dia, meu irmão" (15 minütiges Morgengebet) und "Boa noite, meu Pai, boa noite, meu irmão" (15 minütiges Abendgebet). – Von April bis Oktober 2003 hatte ich dreimal wöchentlich eine religiöse Kurzsendung im Sender "FM Juruá".

Am 8.9.2005 wurde ich für einen Zeitraum von drei Jahren zum Generalvikar der Diözese Cruzeiro do Sul ernannt, wovon ich am 1.1.2009 auf meinen Wunsch hin wegen des Alters entpflichtet wurde.
Zur Sicherung der finanziellen Grundlagen der Diözese baute ich ab August 2008 40 Miethäuser. Um einen Teil der Unkosten zu zahlen, hatte ich die restlichen Grundstücke des früheren Kleinen Seminars zu verkaufen. Gerade gestern wurden endlich die Besitztitel vom Präfekten offiziell unterschrieben und beim Katasteramt registriert; gestern kam auch das in São Paulo gekaufte Material für den Anschluß des Elektrizitätsnetzes an. In der nächsten Woche wird noch ein neuer Brunnen gebaut, damit auch die Wasserversorgung gesichert ist und die Häuser dann vermietet werden können. In diesem Jahr gelang mir zur Verbesserung der Ausbildung der Seminaristen die Einrichtung des Propädeutikums in Cruzeiro do Sul, das ich geistlich begleite.

Seit April benutzte ich meine "freie" Zeit für die Übersetzung des Buches von Paul Badde "Das Göttliche Gesicht – Die abenteuerliche Suche nach dem wahren Antlitz Jesu" – es ist doch ein riesiger Unterschied, ob man so etwas nur überfliegt oder Wort für Wort in die andere Sprache zu übersetzen hat; das Manuskript liegt seit einem knappen Monat zur Begutachtung beim Verlag der Paulinas in São Paulo – hoffentlich muss es nicht so lange warten wie die Concordantiae caritatis, sondern kommt hier in Brasilien früher heraus!

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Kinderarzt Dr. Lothar Biskup besucht das Behindertenprojekt "Jesuskind von Nazareth"

Natürlich konnte ich all dies nicht alleine durchführen – wie dankbar bin ich für die vielfältigen Hilfen, die von den Freunden und Wohltätern aus Deutschland, der Schweiz und den USA kamen, die ich von kirchlichen Hilfswerken, von Mitbrüdern und Schwestern erhielt. Anstelle aller anderen, seien hier namentlich Lothar und Monika Biskup für das "Jesuskind von Nazareth" und Neffe Stefan genannt, der beim Projekt der Siedlungshäuser gemeinsam mit dem Laienkatecheten Carlos mein rechte Hand war. Wie viele gebetet und sonst geopfert haben, das weiß der liebe Gott, und bei Ihm ist dieses Wissen ja gut aufgehoben, da ER nichts vergisst und auch den kleinsten Tropfen Wassers, der mit Liebe gegeben wird, auf göttliche Weise vergilt.

Meine Lieben, ich bitte um Verständnis dafür, dass ich so viel von mir geschrieben habe – ob die Entschuldigung der dreißig Jahre hier im Acre genügt, überlasse ich Euch, bitte aber jeden und jede, mit mir dem Herrn zu danken und zu bitten, dass die gute Saat reiche Früchte bringen kann! Möge Gott einem jeden von Euch das Doppelte von dem schenken, was Ihr mir wünscht!

Herzlichst, Euer aller dankbarer Pe. Herbert Douteil, CSSp.