P. Herbert Douteil CSSp
Jesus-Schriftzug am Flussufer
Diözese Cruzeiro do Sul / Brasilien

Missionsarbeit am Oberlauf des Amazonas

Das Projekt 'Menino Jesus de Nazaré' aus logopädischer Sichtweise
Mannheim, 26.10.2011

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Mit der Kollegin Jasmin Bitschnau aus der Schweiz und dem Ehepaar Monika und Dr. Lothar Biskup aus Neuss waren wir diesmal ein großes Team. In diesem Jahr bin ich zum zweiten Mal in Brasilien im Einsatz und wiederum haben mich die vielen Eindrücke überwältigt. Wie in meinem Bericht von 2010 bereits erwähnt, bin ich von den therapeutischen Leistungen der Orientadoras und dem unermüdlichen Einsatz der Coordenadores schwer beeindruckt. Diesmal konnte ich mich sogar vom Verlauf der Therapien direkt überzeugen. Es war für mich ergreifend, nach 16 Monaten die neu erworbenen Ansätze bei den Kindern zu beobachten.

Bereits nach den ersten Tagen, bei den Kindern mit Cerebralparesen, die wir in Cruzeiro besuchten, überraschten mich insbesondere die Fortschritte beim Mundschluss und Essen. Kinder die 2010 noch ständig speichelten, den Mund wegen Muskelschwäche ständig offen hielten und schlecht abschlucken konnten, hatten nun einen physiologischen Mundschluss, keine Speichelfäden am Mundwinkel und eine deutliche Verbesserung beim Füttern/Essen.

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Insbesondere Logopäden wissen, wie viel Einsatz nötig ist um tetraspastischen Kindern und Kindern mit Mehrfachbehinderten dies beizubringen. Bei den Orientadoras handelt es sich um "Hilfskräfte". Sie haben keine Ausbildung in einem Medizinalberuf, doch sind sie "berufen".
Pater Herbert hält wohl einen direkt Draht zu Gott und dieser seine schützende Hand über das Projekt. Denn ich konnte diesmal viele kleine und große Wunder sehen.

Für die Übungen kommen sie zwei bis dreimal die Woche zu den Kindern nach Hause. Sie leiten die Eltern oder auch größere Geschwister an und sind für die einfachen Familien ein sozialer Halt. Manche Orientadoras legen mehrere Kilometer zu Fuß zwischen zwei Hausbesuchen zurück.
Man darf nicht vergessen, dass die Orientadoras sich ihr Wissen mittels Anleitung von Physiotherapeuten, Ärzten, Ergotherapeuten und Logopäden angeeignet haben. Mit großen Interesse folgen die den Ausführungen und nehmen die Therapieansätze mit Freude an.

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Bei unserer Fortbildung in diesem Jahr erklärten wir neben den Tipps zur allgemeinen Sprachanbahnung bei Entwicklungsverzögerungen, die cranio-orofacial Behandlung und demonstrierten intraorale Stimulation und Zungen-Mund-Motorik. Ich konnte viel Material aus meiner Praxis mitbringen und einsetzen und weiß, dass es in guten Händen ist und sinnvoll eingesetzt werden kann.

An dieser Stelle möchte ich mich bei meinen Kollegen bedanken die nicht nur therapeutisches Material gespendet haben, sondern auch Spielsachen wie Puppen und Spielfiguren, die auch bei Geschwisterkindern im Projekt für glückliche Tränen gesorgt haben.
Die Zusammenarbeit mit meiner Schweizer Kollegin Jasmin Bitschau war sehr spannend und lehrreich. Mit ihrer offenen Art und ihrem Fachwissen konnte sie vor Ort den Orientadoras und Eltern logopädische Übungen erklären und demonstrieren.

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Mir haben die Kinder in der "Fundação Menino Jesus de Nazaré" erneut gezeigt, wie wichtig der Einsatz von Therapeuten und Pädiatern ist. Unser Wissen und Erfahrung bildet eine Basis auf der die Orientadoras eine ganze Therapie aufbauen können. Sie ersetzen mit ihren "spartanischen" Mitteln Logopäde, Ergotherapeut und Motologen vor Ort. Ihr Einfallsreichtum kennt keine Grenzen (so ersetzt z. B. ein Gummiband einer alten Unterhose ein Gymnastikband). Seit wenigen Monaten unterhält das Projekt eine "Fisioterapeutin" die mittels Supervisionen und Schulungen schon unverzichtbar ist.

Ein großer Gewinn wäre ein Kollege/Kollegin aus dem Gebiet Ergotherapie der 2012 das Projekt begleiten würde. Ich werde mich verstärkt bei den Schulen und Zentren hier in Deutschland zum Anwerben einsetzen. Beim Tag der offenen Tür in der Mannheimer Praxis konnten neben interessierten Therapeuten auch viele Eltern und Kollegen einen bildhaften Eindruck von unserer Arbeit bekommen und ich danke im Namen der Kinder von Cruzeiro do Sul, Mâncio Lima, Rodrigues Alves und Guajará und insbesondere von Pater Herbert Douteil für die hilfreichen Spenden.

Ich sehe es als meinen Auftrag an, das Projekt in den nächsten Monaten weiterhin auch auf diesem Wege durch Informationsveranstaltungen und Vorträgen bekannt zu machen.

Christian Steiger,
Staatl. Anerk. Logopäde u. Motopädagoge