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Neues aus Cruzeiro do Sul
Cruzeiro do Sul, den 17. Oktober 2011
In der Nacht von Freitag auf Samstag verabschiedeten sich Dr. Lothar Biskup und seine Frau Monika. Gerne hätte ich sie selbst zum Flughafen gebracht, doch da habe ich ein wenig Angst wegen des Kreislaufes, der ja nicht immer so funktioniert, wie ich es möchte, und so fuhr Valdenísio mit ihnen, der stellvertretende Vorsitzende der Stiftung. Er brachte es auch fertig, dass das Gepäck sogleich von hier bis Brasília durchgescheckt wurde. Es ist ein Geheimnis wohl nicht der Bereitwilligkeit, sondern des Eigensinns der Fluggesellschaft GOL, dass sie verlangt, das Gepäck in Rio Branco auszuladen und gleich wieder einzuladen, obwohl das Flugzeug dasselbe bleibt und der Flug bis Brasília dieselbe Flugnummer behält. – Doch schließlich siegte der gute Sinn des Leiters der hiesigen Agentur, und so ging alles gut. Heute kam aus Neuß die beruhigende Nachricht: „Gut angekommen – noch ein wenig müde – doch bald wird sich auch das gelegt haben …“. Wenige Tage zuvor waren die beiden Logopäden Christan Steiger und Jasmin Bitschau nach ihrem Arbeitseinsatz in der Stiftung "Jesuskind von Nazareth" heimgekehrt – sie waren wieder voll des Lobes über die Arbeit unserer MitarbeiterInnen, die bei den von uns betreuten mehr als 150 Kindern und Familien wieder wahre Wunder gewirkt hätten.
Am Mittwoch, dem Festtag der Muttergottes von Aparecida, der Patronin Brasiliens, besuchte ich gemeinsam mit Lothar und Monika den „Bauernhof der Hoffnung“ und hielt dort eine kleine Prozession mit den zehn Insassen, bei dir wir eine schöne Marienfigur, die seit langem hier in meinem Depot gestanden hatte, in die Kapelle brachten. „Nun haben wir auch die Mutter bei uns!“ sagte dankbar Fábio, der Leiter, die übrigen stimmten alle zu. Ich habe bei diesem Besuch auch das Gelände gesehen, das wir zur Anrundung und Ergänzung hatten kaufen können. – Ich bin höchst erstaunt, wie viel die jungen Leute schon geschafft haben und bin sicher, dass dieser Bauernhof sich auch in Zukunft selbst wird tragen können. Die Madonna wird dort getragen vom lebenden Wunder unseres Bauernhofes, von einem Jungen, für dessen Leben voller Alkohol seit dem 10. Lebensjahr niemand mehr auch nur einen Heller gegeben hätte. – Jetzt hat er sich vollkommen erholt. Doch ist es zu früh, um schon ein endgültiges „Victoria“ zu singen. Es könnte uns gehen wie bei einem anderen, der vorletzte Woche nach sechs Monaten Aufenthalts auf dem Bauernhof meinte, er könnte wieder nach Hause und in das gewöhnliche Leben zurückkehren – wir fürchten, dass der Absturz fürchterlich sein wird! – Anders hoffen wir es für die jetzt Verbliebenen: Sie werden in der nächsten Woche eine Reise zum Urbauernhof nach Guaratinguetá bei São Paulo machen, wo der Gründer Frei Hans Stapel alle Insassen der Bauernhöfe in Nordbrasilien versammelt, um sie geistlich aufzubauen und ihnen zu zeigen, was dort gelungen ist und was er auch von den anderen Bauernhöfen und ihren Insassen erwartet.
Meine Arbeit im Radio geht mit einer vollen Sendestunde pro Tag weiter, auch meine Besuche in den Kapellengemeinden in Sª Luzia. Am Samstag hatte ich dort zwei, gestern drei Messen. Sie waren leider nicht gut besucht – doch wollte ich keine ausfallen lassen, weil es wahrscheinlich die letzten Besuche sind, die ich jetzt in der Regenzeit machen kann. Gestern hatte ich die zweite Messe in der Kevelaer-Kapelle. Die Messen, auch wenn ich normalerweise viele Beichten habe, machen mich nicht wirklich müde, wohl die manchmal schwierigen Fahrten auf den jetzt schlammigen und rutschigen Siedlungswegen mit ihren vielen Steigungsstrecken. Ein Glück, dass ich mit meinem vierradgetriebenen Toyota die Abkürzungsstraße zur Transamazônica fahren kann, was an jedem Wochenende ca. 70 km Weg und fast zwei Stunden Fahrt erspart!
Am Freitag konnte ich nach genau einem Monat auch den Übersetzungsentwurf des Buches von Paul Badde "Maria von Guadalupe – wie das Erscheinen der Jungfrau Weltgeschichte schrieb“, beenden – es waren immerhin 235 Druckseiten oder 120 DIN- A4 Seiten der Übersetzung; heute habe ich den Verlagsvertrag zur Edition des von mir vor zwei Jahren ebenfalls übersetzten Buches Baddes „Göttliches Gesicht auf dem Schleierbild von Manoppello“ ins Portugiesische übersetzt und an den Verlag in Deutschland, der die Verlagsrechte hat, und an den Verlag in Rio de Janeiro, der es hier edieren will, geschickt. Ich hoffe, dass er bald unterzeichnet werden kann, so dass dieses Buch des „Göttlichen Gesichtes“ bis Ende des Jahres erscheinen kann. Die Feinarbeit an der Rohübersetzung wird noch lange dauern, sie ist schwieriger, als ein nicht Eingeweihter meinen mag. Es ist wie beim Rohbau eines Hauses: Bis er seinen Innenanstrich hat und dort auch die Bilder aufgehängt werden können, vergeht gewöhnlich viel mehr Zeit als für das Hochziehen der Mauern!
Soeben wurde ich von Valdenísio gerufen. Er kam mit meinem ziemlich gefüllten Wagen gerade von der Verteilerstelle der Lebensmittel, die von den hiesigen Bauern erzeugt und dort abgegeben werden. Sie werden jetzt an die bedürftigen Familien, die wir in unserer Stiftung betreuen und offiziell in das Regierungsprojekt „Nullhunger“ aufgenommen werden, verteilt. – Eier, lebende Hühner, riesige Kochbananen, Farinha, Süßkartoffeln, Gebäck, Früchte... - Leider kann ich nur vom gefüllten Wagen und seinem froh lachenden Fahrer ein Foto machen, nicht aber von der Freude der Eltern und Kinder!
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