P. Herbert Douteil CSSp
Jesus-Schriftzug am Flussufer
Diözese Cruzeiro do Sul / Brasilien

Missionsarbeit am Oberlauf des Amazonas

Neues aus Cruzeiro do Sul:
77 Jahre vollendet...
28. August 2012

Liebe Besucher der Homepage, es gibt Tage, an denen es verziehen wird, wenn jemand auch einmal etwas persönlicher wird – so hoffe ich es heute am 28. August, dem 77. Jahrestag der Taufe, die vier Tage nach meiner Geburt stattgefunden hat, und ich darf mich fragen: 77 vollendete Jahre, das sind 924 Monate, 4.015 Wochen, 28.105 Tage, 674.520 Stunden – wie viele Minuten und Sekunden usw. das sind, mag der Taschenrechner ausrechnen. – Denn nicht auf die Menge, sondern auf den Inhalt kommt es an, wie es Adlai E. Stevenson einmal so gut ausgedrückt hat: "Nicht die Jahre in unserem Leben zählen, sondern das Leben in unseren Jahren zählt".

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Dom Luis Herbst besucht den nach ihm benannten Bauernhof

Ob es sich vor Gott und für die Menschen gelohnt hat, was ich in den 25 Jahren bis zur Priesterweihe, in den 51 Priesterjahren, davon 17,5 Jahre des Studiums in Köln und Bonn, anschließend knapp 33 Jahre hier im Urwald habe tun dürfen? Einige werden sagen, ja – und sie werden auf die vielen Briefe und Bücher hinweisen, auf die 14 Jahre der Leitung unseres Seminars, die fast zehn Jahre der Vorlesungen im Großen Seminar, auf die 26 Kapellen und 40 Häuser gebauten, auf die mehr als 100 mehr als eine Woche langen Fahrten in den Urwald zu den Menschen, den Gummischneidern, den Indios, den Siedlern dort, auf die beiden Kliniken, die Armenapotheken und so vieles andere - werden denken an den "Bauernhof der Hoffnung" und das "Jesuskind von Nazareth", an die täglichen Radiosendungen von je 30 Minuten seit dem 1.5.2000 bis heute – eigentlich eine lange Latte, aber ich möchte den gesamten Dank an den weiterreichen, der die Kraft und Gnade dazu gegeben hat – und ich möchte noch so lange weitermachen, wie ER es mir erlaubt.

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Letzten Donnerstag feierten die Mitbrüder bei einem festlichen Mittagessen den Geburtstag. Ich traf neben Dom Luis, dem es wegen des gut funktionierenden Herzschrittmachers körperlich wieder recht gut geht, auch Pe. Wilhelm Stader, der vom "Bauernhof der Hoffnung" berichtete und Fotos zeigte, wie der zweite Pavillon sein Dach bekommen hat und der Innenausbau nun in Angriff genommen werden kann. Das angefügte Foto zeigt das kleine Kunstwerk beim Eingang zum Hof: man sieht drei Hölzer, die die drei Grundsäulen des Programms symbolisieren: Gebet – Arbeit – Freundschaft.

Beim "Jesuskind von Nazareth" hatten wir in der vorletzten Woche die Freude, Olmedo, einen der leitenden Vertreter der "Christoffel-Blindenmission" hier in Lateinamerika, zu Besuch zu haben. Er kam nach einem komplizierten Flug von Quito über Panama und Manaus, um unseren Mitarbeiterinnen einen Kurs über die Rechte behinderter Kinder und Eltern zu geben und um unseren Leitern zu helfen, die von der Zentrale verlangten Planungen zu erstellen. Sein Urteil: „Eure Arbeit muss weitergehen! Wenn auch die Quellen immer schwächer sprudeln, so wollen wir doch tun, was wir können, weiterhin zu helfen!“

Am 15., am Fest der Aufnahme Marias endete hier in Cruzeiro do Sul das Hauptfest von Kathedrale, Stadt und Diözese wieder wie alle Jahre beeindruckenden Lichterprozession mit einer Show eines Ensembles aus São Paulo. Der Alltag geht weiter, in dem sich die guten Vorsätze nun einmal bewähren müssen.

Das Leben ist weiterhin fordernd: Am vorletzten Wochenende hatte ich bei einer brütenden Hitze von mehr als 36°C fünf Messen. Die vierte war in der Kevelaerkapelle, die nun fertig renoviert ist – eine Freude, dies zu sehen und zu wissen, dass wir dort ein Heiligtum der „Trösterin der Betrübten“ mit der von Johannes Paul II. gesegneten Kopie des Gnadenbildes haben. Die Kapelle „Santa Luzia“, die ich neben vier anderen an diesem Wochenende besuche, muss auch noch in diesem Jahr renoviert werden, weil sie wegen des Holzwurmbefalls fast zusammenbricht...

Mein Toyota ist nach einer notwendigen Generalüberholung in Bio Branco zwar wieder einsatzfähig, aber die Engel müssen schon immer mit auf der Reise sein und aufpassen, wie sich am vorletzten Sonntag zeigte, als ich von der letzten besuchten Gemeinde, die „Maria, der Königin der Engel“ geweiht ist, zurückkam. Da überraschte mich auf der letzten Strecke des überaus hügeligen Siedlungsweges ein sehr heftiger Wolkenbruch. Die Straße war gerade abgehobelt worden – der Lehm saugte sich voll, die Reifen wurden glitschig, als ich auf den Asphalt der Transamazônica kam, rutschte der Wagen wie auf Seife. Die Engel haben ihre Pflicht getan, es ist kein Zusammenstoß mit dem gleich hinter mir heranbrausenden Schwerlaster geschehen.

Auch geht meine wissenschaftliche Arbeit weiter: bei der ersten Revision meiner Übersetzung des lateinischen 1.300 Seiten umfassenden Textes des „Rationale“ des Wilhelm Duranti, des nie mehr übertroffenen Handbuches der Liturgie des Mittelalters, aus dem Lateinischen ins Deutsche bin ich gut vorangekommen. Am Fest der Muttergottes habe ich sie beendet und am nächsten Tag mit dem zweiten Durchgang begonnen, bei der ich heute bis auf Seite 300 gekommen bin - manchmal raucht mir zwar der Kopf, bei der täglichen Hitze von immer mehr als 30°C rinnt auch der Schweiß, auch machen die Augen Schwierigkeiten, doch will ich alles tun, damit ich bis Ende des Jahres diese Arbeit abliefern kann. Es wäre zwar wirklich fast unglaublich, wenn es mir gelänge, doch kann ich hoffentlich auch auf die Gebetshilfe aller rechnen!